Digitalisierung und sozialer Wandel

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Mithilfe digitaler Anwendungen und Geräte lassen sich Produktion, Konsum und der Alltag zeiteffizienter organisieren: Das Versenden von E-Mails, Tweets und Kurznachrichten erlaubt eine schnelle und asynchrone Kommunikation; Online-Kartendienste ermöglichen es, eine Adresse in einer unbekannten Stadt beinahe friktionslos zu finden, und Online-Shopping verringert die benötigte Zeit zum Kauf von Gütern und Dienstleistungen auf ein paar Mausklicks. Dies deutet darauf hin, dass Digitalisierung zu einer Beschleunigung des Lebenstempos beitragen dürfte. Auf der anderen Seite lassen sich zahlreiche Beispiele finden, wie das „Herumspielen“ mit digitalen Geräten, Gaming, stundenlanges Internet-Browsen oder zeitintensives Surfen auf sozialen Netzwerken auch dazu führen können, wie Digitalisierung der Prokrastination dient und Zeit eher unproduktiver genutzt wird. In dem Fall, so könnte man meinen, kann Digitalisierung zu einer Entschleunigung des Lebenstempos beitragen.

Aufbauend auf Jahrzehnten des Diskurses zur Sozialen Beschleunigung untersucht dieses Teilprojekt empirisch, ob Digitalisierung zu einer Be- oder Entschleunigung des Lebenstempos beiträgt. Hierzu werden eigens neue Skalen entwickelt, um sowohl eine Beschleunigung des Lebenstempos als auch den Digitalisierungsgrad von Personen messen zu können. Sodann werden Regressions- und Korrelationsanalysen vorgenommen, um den Zusammenhang von Digitalisierung und sozialer Beschleunigung systematisch zu ergründen. Dabei wird u.a. untersucht, wie sich Digitalisierung auf Multi-Tasking, auf zeiteffiziente Praktiken und auf empfundenen Zeitstress (subjektive Beschleunigung) auswirkt. Zudem wird analysiert, ob Digitalisierung zu Zeit-Rebound-Effekten führt, wenn die zeitsparende Technik dazu führt, dass Individuen noch mehr Aktivitäten pro Tag ausüben (objektive Beschleunigung).

 

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Dr. Tilman Santarius

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